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2004-12-23

Martin Camaj, Lule 

Martin Camaj (1925-1992) was an Albanian poet who spent his working life in Germany. Some information about him is available at Shkoder.net [DE] and [EN], at the Albanian Network Group [AL], and at Robert Elsie's website [EN].

I especially like his poem 'Lule' (Lule means flower, and is also a female first name), copied below from Shkoder.net in the German translation by the excellent Hans-Joachim Lanksch. Only the first part is also online in Albanian. Apologies to my readers without the German - Happy Holidays to you all the same!
L U L E

I

Heute abend sagte man mir daß ein Mensch starb
darum bin ich traurig, Lule.

Die Liebe ist die einzige steinerne Stütze
wenn jenseits des Zaunes
die Pfeile des Eises fliegen.

Zwei Herzen leiten die Blitze mehr
als zwei Schwerter Rücken an Rücken
die Schneiden nach außen.
Der Gedanke an das Ende, Lule
flieht, wenn du da bist, wie ein wilder Vogel
dorthin, woher das Dunkel kommt.

II

Das Schwarz deiner Augen möchte ich nicht
auf schmalen Stegen treffen.
Die Flamme des Auges will ich auf dem Feld
und dein Apfelherz
auf einem Ast ausgelegt, in der Höhe
eines Armes über der Erde.
Sei stumm in der Dämmerung,
der freundlichen, auf dem Feld
und vor weitherzigem Wind
der jede Grasspitze umarmt.
Lule, zieh das bleiche Gewebe vom Mond
und breite es aus auf der Erde.

III

Deine Augen - Samtblumen - kennen keinen
Frieden. Bring nicht den Wind des Nordens mit
sondern Feuer, daß wir zusammen es erhalten
in dieser langen Nacht.
Lule, die Liebe
weilt hier solange der Mond
im Angesicht unsrer Feuer steht
und bis das Licht des Morgenrots
die letzte Glut verzehrt!

IV

Du bist in meinem Herzen
und ich kann mit keinem Laut sprechen
um die Stille des Fühlens nicht zu zerstören.
Deine Stimme erkenne ich unter den Klängen
von tausend Wasserstrahlen.

Die violette Blume die aufblüht
hat zartbenetzte und schimmernde Blättchen.
So auch deine morgendlichen Lippen.

Du hast hinter den Brauen den Schatten des Sterns
der nur eine Seite entschleiert
und meine Hoffnung, mit der Gestalt deines Schattenbildes
in den Händen, leidet in Schmerzen,
tödlich vielleicht.

V

Mein Fühlen fließt und verliert sich
in deinem bitteren Lächeln.
Tausend Stimmen springen auf
- Schwerter reifer Lilien -
wenn du den Wünschen drinnen
nein sagst. Dann kommt der Regen
und die Spitzen der Lilien werden sanft.
Zwischen die schwarzen Haare und die Brauen
hefte ich den Blick
um den Faden des einzigen Gedichts
meines glutheißen Alters zu finden.

VI

Abgesplittert bin ich, Lule
und ziehe von Ort zu Ort
in Stürmen kalter Nordwinde, gehetzt.
Wenn ich Halt mache, blicke ich in mich
und sehe dein Gesicht und vor dir
Wege von Oleandern gesäumt.
Drei Schritte dahinter
erstreckt sich verbrannte Erde
mit Steinen und Felsen ins Endlose.

Komm wieder am Morgen
in der Zeit des Liedes das gesättigt ist
im Anbruch des Tages.
Wenn du kommst, keimen über verbrannten Ähren
aus Wurzeln neue Triebe.

VII

In der Zeit des Liedes
das der Steinkauz singt
fiel das Licht aus dem Auge eines Sterns
wie ein Meteor auf mich
und beschien dein Gesicht:
es war die Verdammnis des Nachtgeborenen!

Bin Reiter auf schmalen Steigen,
berühre nie wieder
das Morgenrot deiner Haare.

Ich wandere mit den Schatten der späten Nacht
und sehe deine Finger
das weiße Blatt eines Lebens
schließen.


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