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2004-09-08

Günter Eich, Inventur (1945) 

Dies ist meine Mütze,
dies ist mein Mantel,
hier mein Rasierzeug
im Beutel aus Leinen.

Konservenbüchse:
Mein Teller, mein Becher,
ich hab in das Weißblech
den Namen geritzt.

Geritzt hier mit diesem
kostbaren Nagel,
den vor begehrlichen
Augen ich berge.

Im Brotbeutel sind
ein Paar wollene Socken
und einiges, was ich
niemand verrate,

so dient es als Kissen
nachts meinem Kopf.
Die Pappe hier liegt
zwischen mir und der Erde.

Die Bleistiftmine
lieb ich am meisten:
Tags schreibt sie mir Verse,
die nachts ich erdacht.

Dies ist mein Notizbuch,
dies meine Zeltbahn,
dies ist mein Handtuch,
dies ist mein Zwirn.
One thing that has always struck me about this wonderful poem, written from the perspective of a German prisoner of war after WWII, is the fragile consolation it finds in those primitive material things - "this cardboard here lies between me and the soil". If one looks back and considers the economic boom years and industrial expansion that were soon to follow, the purity of those simple objects seems to be inaccessible from today. Our possible refuge is even less clear.


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